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Schimmelpilzgifte in Kastanienerzeugnissen

Gegen Ende Jahr gehören Kastanienerzeugnisse wie Vermicelles, gekochte Marroni und natürlich die heissen Marroni bei vielen Schweizern traditionellerweise zu den beliebtesten Nahrungsmitteln. Neben diesen Klassikern finden sich in den Regalen von Supermärkten und Detailhändlern auch exotischere Produkte aus Edelkastanien wie Mehl, Teigwaren, Flocken, Biscuits oder Bier.

Edelkastanien gehören biologisch gesehen zu den Nüssen, welche bekanntermassen nicht unproblematisch sind. Bei unsachgemässer Lagerung oder Verarbeitung können sich Schimmelpilze bilden, welche giftige Substanzen (Mykotoxine) wie Aflatoxine und Ochratoxine produzieren. Aflatoxin B1 beispielsweise ist die am stärksten krebserregende Substanz natürlichen Ursprungs und wirkt bereits bei Konzentrationen um 10 µg/kg Körpergewicht akut lebertoxisch.

Kastanien

Bild vergrössern Erzeugnisse aus Edelkastanien sind häufig mit Schimmelpilzgiften belastet.

Das Kantonale Laboratorium untersuchte bereits im Jahr 2009 eine Reihe von Kastanienerzeugnissen auf die erwähnten Schimmelpilzgifte und musste 2 Proben wegen Überschreitung der Grenzwerte für Aflatoxine beanstanden. Bei den mangelhaften Produkten handelte es sich um ein Mehl und um Teigwaren, also um Erzeugnisse welche durch Zerkleinern und Trocknen aus Edelkastanien hergestellt werden. Vermicelles und gekochte Marroni waren hingegen nicht belastet und stellten somit kein Problem dar. Aus diesem Grund wurde entschieden, die Kampagne im Berichtsjahr mit Konzentration auf die kritischen Produkte zu wiederholen. Somit wurden insgesamt 19 Proben (7 Teigwaren, 6 Mehle, 4 Flocken, 1 Splitter und 1 ganze Kastanien) erhoben und mittels einer im Kantonalen Laboratorium entwickelten LC-MS/MS-Methode auf Aflatoxine untersucht.

Mehr als ein Viertel der Proben (5 Proben; 26 %) mussten wegen Überschreitungen der entsprechenden Grenzwerte beanstandet werden. In 2 Fällen, es handelte sich dabei um eine Probe Kastaniensplitter und um eine Probe Kastanienflocken, wurden eine 50- bzw. eine 100-fache Überschreitung der Aflatoxingrenzwerte festgestellt. Entsprechend hohe Werte waren im Kantonalen Laboratorium noch nie gemessen worden. In 3 weiteren Proben (Flocken und Mehle) wurden ebenfalls Aflatoxine in solch erheblichen Mengen gefunden, dass die gesetzlich erlaubten Höchstwerte eindeutig überschritten waren. Bei allen beanstandeten Produkten handelte es sich um Ware aus Spezialitäten-, Bio- und Reformläden. Sämtliche betroffenen Betriebe wurden aufgefordert, die belastete Ware umgehend aus dem Verkauf zu entfernen und die Ursachen für die teilweise massiven Mängel abzuklären. Insbesondere gilt es hier, die Massnahmen im Rahmen der Selbstkontrolle der Betriebe zu überprüfen und gezielt zu verbessern.

In den weiteren Proben wurden teilweise ebenfalls Spuren von Aflatoxinen nachgewiesen, die Grenzwerte waren aber eingehalten. Die Tatsache, dass sich auch Proben darunter befanden, welche frei von Schimmelpilzgiften waren, zeigt, dass bei einer guten Herstellungspraxis und bei entsprechend sorgfältiger Kontrolle die Qualität der Produkte durchaus gewährleistet werden kann.

Die Kampagne hat grosse Qualitätsmängel bei diesen getrockneten Kastanienerzeugnissen gezeigt, welche deshalb in Zukunft gezielt weiter untersucht werden müssen.


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